Erinnerungskultur – Musik aus dem KZ

Ein Konzert gegen das Vergessen mit dem Ensemble Compania

Die Krypta der Antoniuskirche wurde am Mittwochvormittag zu einem besonderen Lernort: Etwa 90 Schülerinnen der Jahrgangsstufe 9 der Marienschule erlebten dort ein Konzert des Ensembles „Compania“, dem Ensemble für Neue Musik des Sinfonieorchesters Münster. Es spielten Arsenis Selalmazidis (Violine), Svenja Ciliberto (Viola) und Giedrius Zukauskas (Violoncello).

Würde und innerer Widerstand
Auf dem Programm standen Stücke von Ilse Weber, Gideon Klein, Zygmunt Schul, Hans Krása, Viktor Ullmann und Pavel Haas. Viele dieser Künstlerinnen und Künstler waren jüdisch; zahlreiche von ihnen wurden in den Lagern Theresienstadt oder Auschwitz ermordet. Ihre Musik entstand unter kaum vorstellbaren Bedingungen. Dennoch bewahrten die Komponistinnen und Komponisten in ihren Werken etwas von ihrer Persönlichkeit, ihrer Würde und ihrem Willen zum inneren Widerstand. In den Klängen wurden Angst, Verzweiflung und Verlust hörbar, zugleich aber auch Hoffnung und Menschlichkeit.

Die widersprüchliche Rolle der Musik
Svenja Ciliberto führte mit kurzen historischen Einbettungen durch das Programm. Sie eröffnete den Schülerinnen Zugänge zu den Lebensgeschichten der Komponistinnen und Komponisten sowie zu den Entstehungsbedingungen ihrer Musik. Dabei wurde auch deutlich, welche widersprüchliche Rolle Musik im Lageralltag spielen konnte: Inhaftierte Musikerinnen und Musiker wurden gezwungen, heitere Walzer zu spielen, während andere Menschen ihren Weg in die Gaskammern antreten mussten.

Erschütternde und bewegende Klänge
Besonders eindringlich war das Streichtrio von Hans Krása, der in Theresienstadt inhaftiert war und 1944 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet wurde. Seine Musik ist von Brüchen, Dissonanzen und einer zunehmend ins Chaos führenden Fuge geprägt. Sie vermittelte die Bedrohung und Ausweglosigkeit dieser Zeit auf erschütternde Weise. Den bewegenden Abschluss des Konzertes bildete das vertonte Gedicht „Ich wand’re durch Theresienstadt“ der Lyrikerin, Komponistin und Krankenschwester Ilse Weber.

Ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur
Jedes der gespielten Werke machte deutlich, wie wichtig Erinnerungskultur bleibt: Auch in einer Zeit, in der Menschen systematisch entrechtet und vernichtet wurden, fanden sie Wege, ihre Stimme zu erheben – durch Worte und durch Musik.

Wir danken dem Ensemble „Compania“ herzlich für diesen wichtigen und eindrucksvollen Beitrag und hoffen, dass wir dieses wertvolle und besondere Konzertformat auch im nächsten Jahr wieder erleben dürfen.

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