Protagonistin vor Ort

Frau Schmelter aus der ARD Dokumentation über queere Menschen in der Kirche zu Gast im Religionskurs der Q2

In den letzten Wochen haben wir uns, der Religionskurs der Q2 von Herrn Kanzog, mit dem Thema queere Menschen in der katholischen Kirche beschäftigt. Hierbei haben wir uns zu Beginn die Dokumentation „Wie Gott uns schuf“ aus der ARD Mediathek angeschaut und uns im Anschluss arbeitsteilig mit verschiedenen Unteraspekten beschäftigt. Dabei hat sich durch Zufall im Zuge unserer Recherche der Kontakt zu Monika Schmelter ergeben, welche zusammen mit ihrer Frau Marie Kortenbusch als Protagonistin in der Dokumentation zu sehen ist. Um mit uns über ihrer Erfahrungen bezüglich ihrer Beziehung und der daraus resultierenden Konflikte im Arbeitsleben zu sprechen, hat uns Monika Schmelter am 15.02.2022 in der Schule besucht. In einem Gespräch mit dem Kurs haben wir viel über ihre persönlichen Erlebnisse und den Umgang mit ihrer Sexualität und Beziehung in der katholischen Kirche erfahren. 

Zu Beginn hat Frau Schmelter uns einen Überblick über ihre Biografie gegeben und uns erzählt, dass sie ihre Frau während ihres Theologiestudiums an der WWU Münster kennengelernt hat. Aus einer anfänglichen Freundschaft entstand nach einem Jahr die erste große Liebe, welche bis heute anhält. Das erste große Problem, was sich ihr in den Weg stellte, war jedoch nicht die Beziehung zu Marie Kortenbusch, sondern das Thema ihrer Diplomarbeit, die unter anderem feministische Merkmale aufweist und sie deshalb vermutlich keine Anstellung als Theologin bekam. Eine Festanstellung bekam sie dann bei den Caritas, wo sie bis zu ihrem Renteneintritt als Wohnheimleiterin arbeitete. Hier musste sie ihre Beziehung verheimlichen, wollte öffentlich, zu ihrem Selbstschutz, nicht mit ihrer Frau gesehen werden und keinen Verdacht aufkommen lassen, dass sie sich in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung befindet, geschweige denn mit ihrer Frau zusammen in einem Haushalt lebt. Um sich und ihre Frau zu schützen, die selbst an einer katholischen Schule als Religionslehrerin angestellt war, haben beide mit möglichst weiter Entfernung zum Arbeitsort gelebt. Aufgrund der Entfernung zu ihrem Arbeitsort wurde ihre Beziehung im späteren nicht als „öffentliches Ärgernis“ eingestuft und sie durfte unter der Voraussetzung nie über ihre Sexualität und Beziehung zu reden und keine queeren Menschen einzustellen, ihre Stelle behalten. Auch bei ihrer Verabschiedung wurde ihre Frau ignoriert und nur nach mehreren Diskussionen eingeladen, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen.  

Für uns als Religionskurs waren die Erzählungen von Frau Schmelter schockierend und diskriminierend. Umso glücklicher hat es uns gemacht, dass sie so offen über ihre Situation mit uns geredet hat und die Freude über ihre mittlerweile vollkommen öffentlich bekannt gegebene Beziehung zu ihrer Frau zu sehen. Die beiden konnten mittlerweile heimlich heiraten und laut Frau Schmelter ist es immer noch ungewöhnlich in der Öffentlichkeit von „ihrer Frau“ zu sprechen. Sie ist sich aufgrund der Ereignisse bis heute nicht sicher, ob sie Mitglied der katholischen Kirche bleibt, möchte jedoch ihren Glauben leben, da sie sich mit der jesuanischen Botschaft der Kirche voll identifizieren kann.  

 

 

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